| London/Bern, 11 April 2003. Im Jahr 2002 sind über 1526 Menschen
in 31 Ländern hingerichtet worden. Über 3248 Menschen wurden zum
Tode verurteilt. Mit der heutigen Veröffentlichung der Statistiken
zur Todesstrafe im Berichtszeitraum 2002 appelliert Amnesty International
an die derzeit in Genf tagende Uno-Menschenrechtskommission, wirksame Massnahmen
gegen die Todesstrafe zu ergreifen und erneut ein weltweites Moratorium
für Hinrichtungen einzufordern.
"In vielen von Amnesty International dokumentierten Fällen
wurden internationale Mindeststandards nicht eingehalten", sagte
Andrea Huber, stv. Generalsekretärin der Schweizer Sektion von Amnesty
International (AI) an der Pressekonferenz in Genf. "Gefangene wurden
nach unfairen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt. In den USA wurden
drei Menschen, die zur Tatzeit unter achtzehn Jahre alt waren, hingerichtet."
AI listet 1060 Hinrichtungen in China und 113 in Iran auf. In den USA
wurden 71 Menschen hingerichtet, fünf mehr als im vergangenen Jahr.
"Die heute von AI veröffentlichten Zahlen beziehen sich nur
auf Fälle, die der Organisation bekannt sind. Tatsächlich dürften
weltweit deutlich mehr Todesurteile verhängt und vollstreckt worden
sein", sagte Huber.
Dennoch gab es 2002 auch Fortschritte. Zypern und die Bundesrepublik
Jugoslawien (jetzt Serbien und Montenegro) schafften die Todesstrafe für
alle Delikte ab. In der Türkei wird die Todesstrafe in Friedenszeiten
nicht mehr vollstreckt. Damit ist die Zahl der Länder, die die Todesstrafe
gesetzlich oder in der Praxis abgeschafft haben, auf 111 Länder angewachsen.
Der Gouverneur des US-Bundesstaates Illinois, George Ryan, wandelte kurz
vor Ende seiner Amtszeit alle 167 Todesurteile des Staates um. Auch in
Tansania und Saudi-Arabien wurden zahlreiche Todesstrafen umgewandelt.
Eine Einstellung der Exekutionen wurde in Guatemala und auf den Philippinen
angekündigt. Der Präsident Kirgistans erklärte im Januar
2003, dass das Moratorium für Hinrichtungen auf ein weiteres Jahr
ausgedehnt werde. Dschibuti, Litauen und Südafrika unterzeichneten
das Zweite Fakultativprotokoll des Internationalen Paktes über bürgerliche
und politische Rechte, das unter anderem die vollkommene Abschaffung der
Todesstrafe vorsieht.
10. Dezember: Internationaler Tag der Menschenrechte
Die Todesstrafe ist keine Lösung
Lausanne/Bern, 5. Dezember 2002. Anlässlich des diesjährigen
Menschenrechtstages richten die Schweizer Landeskirchen in Zusammenarbeit
mit verschiedenen Menschenrechtsorganisationen eine Petition an die Regierungen
von Saudi-Arabien, Japan und die USA, um auf die Abschaffung der Todesstrafe
zu dringen.
"Die Todesstrafe ist keine Lösung" - unter diesem Motto
lancieren die Schweizer Landeskirchen und mehrere Menschenrechtsorganisationen
ihre diesjährige Aktion zum Internationalen Tag der Menschenrechte.
Die gemeinsame Aktion von Justizia et Pax, Pax Christi, ACAT (Aktion der
Christen gegen die Folter), des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes
(SEK) und Amnesty International (AI) findet dieses Jahr zum 20. Mal statt.
Die Todesstrafe widerspricht internationalem Recht und stellt eine grausame,
erniedrigende, wirkungslose und ungerechte Form der Bestrafung dar. Im
Rahmen von Gottesdiensten in der ganzen Schweiz wollen die genannten Organisationen
mit ihrer diesjährigen Aktion die weltweite Bewegung zur Abschaffung
der Todesstrafe stärken. Sie setzen sich für ein Moratorium
in denjengen Ländern ein, in denen die Todesstrafe immer noch vollstreckt
wird. Drei Länder stehen im Zentrum der Aktion: Saudi-Arabien, die
USA (Bundesstaat Virginia) und Japan. In einer Petition appellieren die
genannten Organisationen an die Regierungen dieser Länder, ab sofort
ein Moratorium über alle Todesurteile zu verhängen, die Kapitalstrafe
zu überdenken und mit Informationsarbeit auf ihre Abschaffung hin
zu arbeiten.
"Sogar in der Schweiz gibt es immer noch Stimmen, welche die Wiedereinführung
der Todesstrafe als Mittel gegen Terrorismus und Pädophilie verlangen",
rufen Thomas Wipf, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes,
Bischof Amédée Grab, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz
und Bischof Fritz-René Müller von der Christkatholischen Kirche
in einer gemeinsamen Erklärung in Erinnerung.
Am Samstag 11. Januar 2003 hat im US-Bundesstaat Illinois Gouverneur
George Ryan alle 167 Todeshäftlinge begnadigt. Justizirrtümer
und die Erpressung von Geständnissen mit Gewalt veranlassten ihn
zu diesem Schritt.
23. Juni 2001 STRASSBURG - Der Weltkongress gegen die Todesstrafe ist
in Strassburg mit einem Schweigemarsch zu Ende gegangen. Rund 2000 Personen
marschierten durch die Stadt, darunter ein Amerikaner, der 21 Jahre im
Todestrakt verbracht hat, bevor eine DNA-Analyse seine Unschuld bewiesen
hat. Die Konferenz endete mit einem Appell für die weltweite Abschaffung
der Todesstrafe. Er ist von Parlamentspräsidenten der ganzen Welt
unterzeichnet worden.
Quelle: SDA
Aktionen gegen die Todesstrafe in den USA
Bern, 8. Febr. 2001 (sda) In mehreren Schweizer Städten haben am
Donnerstag Kundgebungen von Amnesty International (AI) gegen die Todesstrafe
in den USA stattgefunden. Anlass war die auf diesen Tag angesetzte 700.
Hinrichtung seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA. In
Basel zündeten rund 70 Menschen auf dem Marktplatz Kerzen für
die Hingerichteten an.
In Zürich, wo rund 40 Personen anwesend waren, wurden zudem die
Namen der Getöteten verlesen. In Bern versammelten sich rund 20,
in Lausanne 30 und in Sion gegen 80 Personen zu Mahnwachen. Die Passanten
wurden zur Unterzeichnung eines Buchs eingeladen, in dem jeder hingerichteten
Person eine Seite gewidmet ist.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Ressort Inland, 9. Februar 2001, Nr.33,
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Todesspritze zum Amtsantritt von George W. Bush
AI Schweiz, Bern, 18. Januar 200. Amnesty International fordert vom neuen
Präsidenten der Vereinigten Staaten, die Todesstrafe abzuschaffen
und sein Verständnis von Recht internationalen Standards anzupassen.
Während heute in Washington die Feierlichkeiten zur Amtseinführung
des neuen Präsidenten beginnen, sollen zwei Männer in Oklahoma
und Texas durch die Giftspritze sterben. Bis Ende Januar sind weitere
neun Hinrichtungen in den USA angesetzt. Amnesty International erklärt,
dass die USA durch die fortwährende Anwendung dieser grausamen und
unmenschlichen Strafe ihrem internationalen Ansehen schaden. Die USA haben
seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 fast 700 Menschen
hingerichtet, die Hälfte davon allein in den vergangenen fünf
Jahren.
"Wir fordern den zukünftigen Präsidenten George W. Bush
auf, sein Verständnis von Recht internationalen Standards anzupassen.
So ist zum Beispiel die Hinrichtung von Menschen mit geistiger Behinderung
nach verschiedenen Resolutionen, unter anderen des UN-Wirtschaft - und
Sozialrates, nicht zulässig", erklärt die Menschenrechtsorganisation.
Dion Smallwood etwa, der heute in Oklahoma hingerichtet werden soll, litt
während der Tat nachweislich unter einer nicht behandelten psychischen
Krankheit. Sein Gnadengesuch wurde vom Gnadenausschuss abgelehnt. Auch
die am 11. Januar hingerichtete Wanda Jean Allen hatte einen IQ von nur
69, dies gilt als geistige Behinderung. Am 31. Januar soll in Tennessee
Philip Workman durch tödliches Gift sterben. Workman wird vorgeworfen,
während eines Raubüberfalls einen Polizisten erschossen zu haben.
Amnesty International fordert eine Umwandlung des Urteils, weil es auf
Grund neuer Zeugenaussagen und Indizien fragwürdig geworden ist.
Laut ballistischen Gutachten stammten die Schüsse nicht aus Workmans
Waffe. Ausserdem zog ein angeblicher Augenzeuge sein Statement mit der
Begründung zurück, er sei von der Polizei dazu genötigt
worden.
"Bundesweit wurden in den USA über 80 Menschen aus dem Todestrakt
entlassen, weil nachträglich ihre Unschuld bewiesen wurde. Wie viele
Unschuldige seit der Wiederzulassung der Todesstrafe 1976 hingerichtet
worden sind, lässt sich nicht ermitteln", sagt die Menschenrechtsorganisation,
die sich weltweit für die Abschaffung der Todesstrafe im Gesetz und
in der Praxis einsetzt.
Während George W. Bushs fünfjähriger Amtszeit als Gouverneur
wurden in Texas 150 Männer und zwei Frauen hingerichtet, mehr als
zweimal soviel wie in anderen US-Bundesstaaten. In vielen Fällen
wurden dabei internationale Übereinkommen verletzt: So haben die
USA 1972 den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische
Rechte ratifiziert, der die Hinrichtung von zur Tatzeit Minderjährigen
untersagt. In Texas werden auch zur Tatzeit 17-Jährige hingerichtet.
Amnesty International fordert vom neuen Präsidenten der Vereinigten
Staaten, die Todesstrafe abzuschaffen und sein Verständnis von Recht
internationalen Standards anzupassen.
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